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Der Schatz am Melchsee, Tag 3

  • Autorenbild: Cédric Widmer
    Cédric Widmer
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

O weh – oder vielmehr: Oho! Wer am Morgen einen Blick in die Kommentarspalte von Tag 2 warf, dem wehte sogleich der eisige Hauch der Vergangenheit entgegen. Kein Geringerer als der ehrwürdige Geheimrat Alarich von Knochenfels hinterliess uns eine epische Ausführung voller Warnungen. Er mahnte uns eindringlich vor den „Gefahren der allzu guten Verpflegung“, die den Geist träge mache, schimpfte über „frühmorgendliche Ablenkungen“ und prophezeite gar das Erscheinen eines garstigen Nebels. Am meisten schauderte uns jedoch vor seiner Geschichte über das „Cédodil“ – ein Seeungeheuer, das einst eine liebreizend singende Forscherin in die dunklen Tiefen des Melchsees gerissen haben soll. Ob dies wohl stimmen mag?

Wer die Strixler kennt, der weiss: Solche Schauergeschichten spornen uns erst recht an! Pünktlich zum Start des ereignisreichen Tages wartete ein absolut grandioses Frühstück mit herrlich duftendem, frischem Brot. Denn eines ist klar: Ein leerer Magen löst keine Troll-Rätsel!

Und die Stärkung war auch bitter nötig, denn um Punkt 9.30 Uhr stand uns der erste ganz grosse Medientrubel ins Haus. Der exklusive Kreis der Schatzsucher ist enttarnt: Ein leibhaftiger Reporter samt Kameramann des Migros Magazins traf auf der Frutt ein! Unsere Mission und die Chance auf die ganz grosse, schweizweite Sensation locken mittlerweile wohl selbst die auflagenstärkste Presse an.

Um dem Reporter zu zeigen, aus welchem Holz echte Strixler geschnitzt sind, starteten wir sogleich mit einer rasanten Fotochallenge. In Gruppen jagten die Strixlerinnen und Strixler über die Frutt und hielten im Wettlauf gegen die Zeit Ausschau nach ganz bestimmten Motiven: Gebäude, Bänkli, Glaces und überbleibsel von Schneefeldern (vlt. Auch Abkühlungsstetten von Bergtrollen?) mussten aufgespürt und fotografisch verewigt werden.

Gleich im Anschluss war architektonisches Feingefühl und statisches Genie gefragt: Das grosse Steinmannli-Bauen stand auf dem Programm. Die Strixler schichteten, balancierten und schwitzten. Das spektakulärste und höchste Steinmannli der Teilnehmenden mass am Ende stolze 1 Meter 95! Ein absoluter Prachtbau. Doch dann trat Markus ins Rampenlicht: Mit gerade einmal 6 perfekt austarierten Brocken stampfte er ein unübertreffliches 2m 20-Steinmannli aus dem Boden. Angesichts dieses architektonischen Meisterwerks blieben selbst den einheimischen Kühen die Muh-Laute im Halse stecken. Sie starrten einfach nur völlig sprachlos und tief beeindruckt auf das Steingebilde. Der Geheimrat warnte uns zwar vor „sprechenden Kühen“, aber von stummen, staunenden Kühen war nie die Rede!

Nach so viel Action knurrten die Mägen heftig. Die kulinarischen Warnungen des Geheimrats ignorierten wir weiterhin konsequent und liessen uns ein mega z'Mittag schmecken, das alle Kräfte zurückbrachte. Gut gestärkt ging es am Nachmittag an das Ufer des Melchsees. Bewaffnet mit Ruten und jeder Menge Optimismus versuchten wir unser Glück beim Fischen. Wir warfen die Schnüre aus, warteten geduldig, starrten aufs Wasser... doch Petrus (oder vielleicht doch das Cédodil?) war uns nicht wohlgesonnen. Die Fische blieben im kühlen Nass und bissen partout nicht an. Wenn das so weitergeht, müssen wir für das heutige z'Nacht wohl oder übel noch im fehlenden Wald auf die Jagd gehen!

Der fehlende Fischfang wurde jedoch durch einen absoluten Paukenschlag wettgemacht: Beim Streifzug am Seeufer machten wir eine Entdeckung, die unsere mühsam ausgetüftelten Pläne für den morgigen Tag wohl komplett über den Haufen werfen wird. Wir haben einen weiteren, hochmysteriösen Kartenabschnitt gefunden!

Was werden wir auf dieser verflixten Frutt wohl noch alles ausgraben? Unsere Köpfe rauchen gewaltig, die Spuren fordern uns von Tag zu Tag mehr, aber Aufgeben ist für die Forscher und Forscherinnen des Strix keine Option. Möge uns das Finderglück weiterhin treu bleiben und der vom Geheimrat prophezeite Nebel hoffentlich nicht allzu garstig über den See kriechen... Morgen geht das grosse Rätselraten in die nächste Runde!



1 Kommentar


coaches_potato_6z
vor 4 Tagen

O weh… oder vielmehr: Oho ho ho!

Mit nicht geringem Vergnügen – und einem leichten Ziehen im linken Knie, welches mir stets als verlässlicher Indikator für aufkommende Torheiten dient – habe ich eure Ausführungen zum dritten Tage studiert. Und ich gestehe: Ihr macht Fortschritte! Wilde, leicht unkoordinierte und gelegentlich kulinarisch fragwürdige Fortschritte – doch Fortschritte immerhin!

Ein Reporter! Ein Kameramann!

Ha! Kaum wittert die Welt Sensation, schon wird aus einer bescheidenen Expedition ein Spektakel von beinahe opernhaftem Ausmass! Hütet euch – nicht vor der Kamera, nein, die ist harmlos –, sondern vor der eigenen Eitelkeit! Nichts hat schon mehr Expeditionen zu Fall gebracht als ein allzu gekonnt inszeniertes Foto neben einem halbwegs geraden Steinmannli.

Apropos Steinmannli!

Ich habe die Kunde…


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